Debian 10 Buster Upgrade Howto

Debian 10 Buster ist erschienen. Natürlich liegt es nun nahe, ein Upgrade durchzuführen. Insbesondere bei Debian, das nicht immer mit den aktuellsten Software-Versionen glänzt, ist mancher versucht, das Upgrade schnellstmöglich durchzuführen.

Grundsätzlich ist jedoch keine Eile geboten. Debian 9 Stretch erhält weiterhin Support und SIcherheitsupdates. Wer sich für Debian entscheidet, dem ist bekannt, dass die enthaltene Software nicht die neueste, dafür aber die sicherste Alternative ist. Außerdem sind die Versionsnummern nicht immer aussagekräftig, denn Debian liefert auch durch sogenannte Backports Sicherheitsupdates für ältere Versionen aus.

Dennoch spricht in den meisten Fällen auch nichts gegen ein Upgrade zur neuesten Debian-Version, sofern einige wenige Voraussetzungen beachtet werden.

Dieser Beitrag beschreibt die gelativ einfache Prozedur zur Durchführung eines Upgrades von Debian 9 Stretch zu Debian 10 Buster.

Voraussetzungen

Als allererstes sollten SIe prüfen, ob alle Paketabhängigkeiten aufgelöst werden können und ob auf Ihrem System für irgendein Paket Updates gesperrt sind. Beides sind KO-Kriterien, die gegen ein Upgrade auf Debian 10 sprechen.

Stabile, sichere Verbindung

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, ein Upgrade über SSH durchzuführen. Stellen Sie aber unbedingt sicher, dass sie eine stabile, sichere Verbindung zu Ihrem Server haben. Sollte Ihr DSL-Router während des Upgrades die 24-Stunden-Trennung durchführen, ist das Ergebnis zumindest ein höherer Arbeitsaufwand, evtl. auch ein zerstörtes Betriebssystem.

Gesperrte Updates

Prüfen Sie zuerst alle installieren Pakete auf Update-Sperren:

apt-mark showhold

Sofern hier Pakete gelistet werden, müssen Sie unbedingt prüfen, warum diese für Updates gesperrt wurden. In aller Regel gab es einen Grund für diese Maßnahme, der nicht ignoriert werden sollte. Wenn Sie sich dennoch für ein Upgrade entscheiden, entfernen Sie alle Update-Sperren mit apt-mark unhold, hier am Beispiel des Kernel-Pakets:

apt-mark unhold kernel

nVidia-Treiber

Propietäre Treiber von nVidia mögen für schöne Grafik sorgen. Leider sorgen Sie aber auch für Kopfschmerzen während Debian-Upgrades. Vor einem Upgrade auf Debian Buster müssen sie deinstalliert werden. Nach erfolgreichen Upgrade können Sie das aktuellste Treiberpaket wieder installieren. Wenn Sie auf das --purge verzichten, bleiben Ihre Einstellungen erhalten.

apt remove --purge nvidia*

Stretch aktualisieren

Bevor ein Upgrade auf Debian Buster durchgeführt wird, sollten SIe die letzten Updates für Debian Stretch installieren. Prüfen Sie vorher, dass in den Datei /etc/apt/sources.list und /etc/apt/sources.list.d/*.list auf stretch verwiesen wird! Steht hier stable, führen Sie das Upgrade bereits vorher ungewollt durch!

apt update && apt upgrade -y

Backup

Nun ist die Zeit gekommen, um ein Backup durchzuführen. Wenn Ihre Server virtualisiert ist, erstellen Sie an dieser Stellen einen Snapshot. Dieser garantiert eine nahtlose Rückkehr an genau diesen Punkt, falls irgendetwas nicht funktionieren sollte.

Installation

Nach erfolgreichem Backup kann das Upgrade installiert werden. Das ist auch denkbar einfach.

Quellen anpassen

Im ersten Schritt werden die QUennen angepasst. Dazu wird in der Datei /etc/apt/sources.list stretch gegen buster ausgetauscht.

# Alte Version von Debian Stretch
deb http://deb.debian.org/debian stretch main contrib non-free
deb http://security.debian.org/ stretch/updates main contrib non-free
deb http://deb.debian.org/debian stretch-updates main contrib non-free
deb http://deb.debian.org/debian stretch-backports main contrib non-free

# Neue Version von Debian Buster
deb http://deb.debian.org/debian buster main contrib non-free
deb http://security.debian.org/ buster/updates main contrib non-free
deb http://deb.debian.org/debian buster-updates main contrib non-free
deb http://deb.debian.org/debian buster-backports main contrib non-free

Vergessen Sie nicht, evtl. vorhandene Dateien /etc/apt/sources.list.d/*.list zu prüfen. Hier legen Hosting-Anbieter gerne Verweise auf ihre eigenen Mirror-Server ab, um Traffic zu sparen. Außerdem werden hier die Quellen von Drittanbietern abgelegt. Sofern solche existieren, prüfen Sie auf der Seite des Anbieters, ob Quellen für Buster verfügbar ist und wie die korrekte Syntax für die Quellen lautet!

Upgrade installieren

Es gibt zwei Möglichkeiten zur Installation des Upgrades. Wer den “alten” Paketmanager apt-get bevorzugt, der nutzt folgende Kommandos:

apt-get update && \
apt-get upgrade -y && \
apt-get dist-upgrade -y && \
apt-get autoremove --purge -y

Wer mit dem “neuen”, schicken apt arbeitet, der kann sich ein paar Kommandos sparen:

apt update && \
apt full-upgrade -y

Empfehlenswert ist auf jeden Fall die zweite Variante, da sie alles in einem Installationsschritt automatisiert.

Egal, für welche Version sie sich entscheiden, holen Sie sich eine Tasse Kaffee, bevor Sie die Installation starten. Je nach Anzahl der Pakete auf Ihrem System, wird Debian nun mehrere Hundert Pakete herunterladen und installieren. Abhängig von Rechenleistung und verfügbarer Internetbandbreite kann dafür einige Zeit vergehen.

Bleiben Sie bei Ihrem System. Beobachten Sie den Bildschirm und prüfen Sie evtl. erscheinende Fehlermeldungen.

DPKG Fragen beantworten

Beantworten SIe die Fragen von DPKG mit Sinn und Verstand. Drücken Sie nicht einfach immer nur OK! Je nachdem, welche Pakete auf Ihrem System installiert sind, erhalten Sie evtl. andere Abfragen. Eine kommt jedoch immer:

libc6 möchte Dienste neustarten. Im Normalfall ist das sinnvoll.

Wer Konfigurationsdateien modifiziert hat, darf sich natürlich auf einige zusätzliche Abfragen einstellen. Üblicherweise wollen neue Programmversionen ihre Standard-Konfiguration einspielen. Je nach Software kann es sinnvoll sein, das anzunehmen und die Konfiguration im Anschluss nach eigenen Wünschen anzupassen. Bei den meisten Paketen kann die eigene Konfiguration beibehalten werden.

Erste Nacharbeiten

Nun gilt es, evtl. aufgetetene Fehler zu prüfen und zu beiseitigen. Sofern Sie zuvor den nVidia-Treiber deinstalliert hatten, können Sie diesen nun auch wieder installieren.

Neustart

Das Upgrade auf Debian Buster bringt neben unzähligen Änderungen einen neuen Kernel mit sich. Dementsprechend ist zwingend ein Neustart erforderlich.

init 6

Wenn Sie die Möglichkeit haben, prüfen Sie die Ausgabe des Systems während des Bootvorgangs vor Ort auf dem Bildschirm oder per VNC-Konsole. Sollte etwas schief gelaufen sein, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie bereits hier eine entsprechende Fehlermeldung sehen. Wer dazu keine Möglichkeit hat, prüft den Inhalt der Datei /var/log/messages.

Funktionsprüfung

Prüfen Sie nach dem Neustart alle installierten Dienste auf Funktion. An einigen Stellen sind evtl. Anpassungen Ihrer Konfiguration erforderlich. Überlicherweise passiert dies immer das, wenn Sie eigene Konfigurationsdateien erstellt haben und Ihre Parameter von der neuen Softwareversion nicht mehr unterstützt werden.

Firewall mit nftables

IPTables gehören der Vergangenheit an. NFTables sind die Zukunft. Debian gibt sein Bestes, um Ihre bisherigen Einstellungen zu überführen. Prüfen Sie das Ergebnis aber dennoch im Detail!

Kommentar hinterlassen